Gemeinde fühlt sich nicht zuständig

Gerade wäre die Arbeit des Vereines, der sich im Speziellen der frühmotorischen Förderung sowie Sportangeboten für Mutter und Kind widmet, gefragter denn je. Im Herbst sollen Kooperationsprojekte mit Schulen und Kindergärten starten, die zwar durch eine großartige Förderung der Sportunion unterstützt, jedoch von teilnehmenden Vereinen vorfinanziert werden müssen. Leider haben die Ausgaben insbesondere für alternative Online-Trainingsangebote während der Lockdowns seit 2020 bei gleichzeitig ausbleibenden Mitgliedsbeiträgen, ein großes Loch in die Vereinskasse gerissen.

„Seit einem Jahr keine Mitgliedsbeiträge, aber weiterhin laufende Kosten. Wir haben trotzdem alle ausgefallenen Termine nachgeholt. Und dann das!“, ärgert sich der Vorstand des USC Mama Fitness. Seit Anfang des Jahres versuchte man von der Gemeinde in Erfahrung zu bringen, warum es insbesondere nach einem Jahr der Pandemie diesmal keine Unterstützung gab. Bis heute gibt es keine offizielle Information (oder Absage) aus dem Gemeinderat, der offenbar hinter verschlossenen Türen nach Ausreden sucht um eine Ablehnung des Vereins um Unterstützung zu rechtfertigen.

„In der Gemeinderatssitzung werden die Förderungen behandelt und auch beschlossen. Es gibt dazu weder im Vorstand noch in den Ausschüssen umfangreiche Erläuterungen dazu.“, informiert ein Gemeinderatsmitglied auf konkrete Nachfrage der Obfrau. Die Gelder könnten missbräuchlich verwendet und nicht den Mitgliedern zugutekommen, hatten ein Gemeinderat und eine Gemeinderätin scheinbar in den Raum gestellt und damit das Thema besiegelt.

Vereinsfreundlich? Offenbar nur mit Parteibuch.

Dass man sich in Fels als „Zuagraste“ offenbar grundsätzlich mehr anstrengen muss, als eine Einheimische, daran hat sich die Obfrau des USC Mama Fitness schon gewöhnt. „Wir mussten unsere erste Förderung hart erkämpfen“, erinnert sie sich.

Nach der Gründung 2017 wurde der gemeinnützige Sportverein zuerst gar nicht als solcher wahrgenommen. Eine ganze A4 Seite hatte die Obfrau dem bis dato für andere Vereine formlos ausreichenden Ansuchen des Vereins 2018 beigefügt, beschreibend was mit der Unterstützung umgesetzt werden könnte und welche Projekte bereits vor der Förderung den Kindern in der Gemeinde zugutegekommen sind. Erschwerende Umstände kamen hinzu, als der Vereinsleitung nahe gelegt wurde, auch vertrauenswürdige Felser in den Vorstand mit aufzunehmen. „Das kam mir damals schon eigenartig vor“, erinnert sich Brigitte Bernhardt, Schriftführerin des Vereins, „aber Monika hat das angespornt, auch wenn es wirklich nicht leicht ist, heutzutage Menschen für ein Ehrenamt zu finden“.

Doch damit nicht genug. Als man sich 2019 nach Zusage der Vereinsförderung (die grundsätzlich um ein Vielfaches geringer ausfiel, als für Tennis- oder Fußballverein) erkundigte, wann diese ausbezahlt würde, wollte man plötzlich eine Einnahmen-Ausgaben Rechnung sehen. Nachdem dies offenbar für alle Vereine eine neue Anforderung war, kam man auch dieser Nachfrage nach, obwohl es sich um eine nachträgliche Änderung der Rahmenbedingungen handelte. Für 2020 und 2021 hat man bisher gar keine Unterstützung erhalten – und das, obwohl die Gemeinde in mehreren Newslettern explizit dazu aufgefordert hatte, als Verein um Unterstützung anzusuchen. Um die Kosten für eine externe Trainerin finanzieren zu können (zum Vergleich: Aerial Silk kostet in Wien 15-20 EUR pro Stunde, im Sportverein nur 7 EUR), reichte der USC Mama Fitness das Projekt bei Servus TV ein und bekam die dringend nötige Finanzspritze.

„Unsere Angebote für Kinder sind auf Kleingruppen ausgelegt“, erklärt Carolin Stern, Kindertrainerin und Kassier Stv. Natürlich sind die Kosten für die anteilige Hallenmiete pro Kind geringer, wenn man statt 5 oder 8 Kinder gleich 20 Kinder oder eine ganze Fußballmannschaft im Turnsaal hat. Auch in der Basketballgruppe sieht es nicht anders aus: „Wir haben vor Corona gerade erst begonnen, eine Jugendmannschaft aufzubauen. Da fängt man mit 3 bis vier Kindern an. Und dann kommt immer wieder einer dazu. Aber das dauert.“, erzählt Andreas Stolze, Jugendreferent und Basketballtrainer „und die Ausbildungen und Lizenzen kosten natürlich auch etwas“.

Die Gemeinde verdient gut an Vereinen

Als 2019 der neue Turnsaal in Fels fertig gestellt wurde, kam es zwischen dem Verein und der Gemeinde erstmals zu einer Auseinandersetzung wegen der überhöhten Turnsaalmiete. Während man den alten, nicht mehr nutzbaren, Turnsaal für 8 EUR inkl. Reinigung anmieten konnte, wollte man plötzlich 20 EUR pro Stunde abkassieren. Da man sich bei Planung und Bau des Turnsaals nicht einbringen durfte, gibt es natürlich auch keine Trennwand, um nur den halben Turnsaal zu mieten. Dass dadurch leider auch oft der Sportunterricht ausfällt, wenn abends für eine schulfremde Veranstaltung der Teppich ausgelegt wird, ist ein ganz anderes Problem.

„Wir wurden damals damit abgefrühstückt, dass andere Vereine sich das auch leisten können. Die bekommen aber teilweise 10 000 Euro im Jahr und Unterstützung von anderen Sponsoren. Das ist ja kein Vergleich!“, beschwerte sich Frau Stolze, und legte auch Vergleiche aus anderen Gemeinden vor, aber ohne Erfolg. Alternativ wollte man sich eine Ermäßigung ausdenken. Zwei Mal saß sie für Details im Büro des Bürgermeisters und man einigte sich (leider nur mündlich) auf eine Reduktion der Miete, in der Höhe von 10% pro teilnehmendem Kind aus der Gemeinde Fels. Um also möglichst viele Kinder aus Fels in die Turnstunden zu bekommen und finanzierbar zu machen, wurde ein Pilotprojekt gestartet, und die Semester-Mitgliedschaft für Kinder aus Fels um 50% günstiger ausgeschrieben.

Noch vor Abschluss des Semesters kam das bittere Erwachen: die Miete wurde in voller Höhe vorgeschrieben, obwohl ein Kurs sogar mit 8 Kindern aus Fels ausgebucht gewesen war. Weder die zuständige Dame in der Verrechnung noch die Gemeinderäte wussten von etwas. Das Wort des Bürgermeisters schien nichts wert. Schlimmer noch, auf konkrete Nachfrage ließ GR Zimmermann damals verlauten, das vorgeschlagene Modell habe sich als „nicht umsetzbar“ erwiesen und wurde ad acta gelegt.

Für den Verein kam diese Information, zumal nachträglich, zu spät. Viele Stunden musste sich die Obfrau ehrenamtlich in den Turnsaal stellen, weil sich kein anderer Trainer fand. Nur selten arbeiten Trainer, insbesondere wenn sie bestimmte Qualifikationen und Ausbildungen erbringen müssen, ohne Entlohnung. Auch nicht in gemeinnützigen Vereinen. Dafür gibt es eine klare Regelung des Sportministeriums, in der festgelegt wird, in welcher Höhe und in welchem Umfang ein Taschengeld für Trainer zulässig ist.

Viele Stunden musste sich die Obfrau ehrenamtlich in den Turnsaal stellen, weil sich kein anderer Trainer fand. Nur selten sind Trainer mit oder ohne Vereinszugehörigkeit kostenlos tätig, insbesondere wenn sie bestimmte Qualifikationen und Ausbildungen erbringen müssen. Auch nicht in gemeinnützigen Vereinen. Dafür gibt es eine klare Regelung des Sportministeriums, in der festgelegt wird, in welcher Höhe und in welchem Umfang ein solches „Taschengeld“ für Trainer zulässig ist. Als Trainer im Verein ist also, entgegen der Unterstellung des Gemeinderats in Fels, kein großes Geld zu machen. Als erfolgreiche Unternehmensberaterin verdient Frau Stolze im Übrigen deutlich mehr, wenn sie keine Turnkurse vorbereitet, sondern Marketing-Strategien für KMU und Konzerne entwickelt.

Über den Vorwurf, man würde am Vereinsbetrieb verdienen statt die Fördergelder den Mitgliedern zugutekommen zu lassen sei „eine bodenlose Frechheit“. Kassier und Rechnungsprüfer bestätigen: Es wurden bisher alle angeforderten Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen übermittelt und auch die statutenkonforme Verwendung bereits im Antragsschreiben (unaufgefordert) nachgewiesen.

„Dass es bisher keinerlei Information über all das an den Verein gab, ist höchst unprofessionell“, äußert sich GR Christian Kainz zu der aktuellen Lage und versteht den Frust der Vereinsleitung.

Vorschläge bisher nicht angehört

Bereits mehrmals hat der Verein darauf hingewiesen, dass man von Vorzeigegemeinden wie Kirchberg am Wagram noch viel zu Fördermöglichkeiten lernen könne. Es gäbe beispielsweise die Möglichkeit, für entsprechend ausgebildete Trainer/innen eine Subvention über Tut-Gut/das Land NÖ zu beantragen, die dann direkt an die Teilnehmer/innen weitergegeben wird. In Kirchberg läuft die Organisation über das sogenannte „Bildungsprogramm“, in dem mittlerweile auch der USC Mama Fitness aufgenommen wurde. „So bekommen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Mitgliedschaft um rund 40 Euro günstiger, ohne dass die Gemeinde die Differenz begleichen muss – weil das Geld vom Land kommt.“ erklärt die Obfrau. Warum man sich dieses Modell in Fels noch nicht ansehen wollte, versteht sie nicht.

Auch ein vergebens vorgebrachter Vorschlag, statt einer Förderung die Mietkosten für den Turnsaal rückerstattet zu bekommen, wurde nicht angenommen, obwohl dies für beide Seiten eine gute Lösung gewesen wäre, denn der Verein hätte beim Ausbau des Sportangebotes dann kein Risiko, auf den Mietkosten sitzen zu bleiben.

Einstellung von Kooperationsprojekten in Fels nicht ausgeschlossen

Aktuell würde man sich, so der Vorstand des USC Mama Fitness, bereits um eine Alternativlösung umsehen, eventuell auch den Verein in eine interessierte Nachbargemeinde übersiedeln.

Die Leidtragenden sind dann wieder die Kinder – denn kostenlose Turnstunden mit Basketball, Tanz, Akrobatiktüchern und Geräteturnen wird es dann in Fels nicht mehr geben, weder für die Volksschule (wo insbesondere die Nachmittagsbetreuung immer sehr dankbar war), noch für die Mittelschule.

„Politik hat auf dieser Ebene nichts verloren“, ärgert sich Monika Stolze, „jetzt haben wir gerade erst eine Pandemie hinter uns, einen Bewegungsmangel sondergleichen und zu wenige Turnstunden und dann wird es einem so schwer gemacht.“

Dass gerade die Jugend gut mit Trendsportarten zu motivieren wäre, beweist die Akrobatik-Gruppe. Ursprünglich sollte diese in Fels trainieren, musste aber aufgrund der unleistbaren Hallenmiete nach Grafenwörth und Kirchberg am Wagram ausweichen. In der Wagramhalle war der Andrang so groß, dass man die Gruppe sogar aufteilen musste. Weichboden, AirTrack, Akrobatiktücher und vieles mehr mussten in den letzten beiden Jahren nachgerüstet werden.

„Ohne die Unterstützung der Sportunion, die uns an Schulen und Kindergärten bringt, und den Struktursicherungsbeitrag des NPO-Fonds, gäbe es uns nicht mehr“, mahnt Andreas Stolze, „wir kämpfen also weiter“.

Geld erwarte man im Vorstand des USC Mama Fitness heuer keines mehr. Dafür aber eine Entschuldigung und längst überfällige Wertschätzung für die Öffentlichkeitsarbeit der letzten Jahre.